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Trabantszene

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Nachrichten frisch aus der Szene

Portrait: Trabi-Fahrer sind die Härtesten

2004-03-13 00:00:01 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (2) (Gelesen: 8284)
Das Auto, mit dem der 26-jährige Ulrich Kummer im Juni 1997 zur Durchquerung des afrikanischen Kontinents aufbrach, war schon damals reif fürs Museum: Ein Trabant 601 Kombi, gebaut im Jahr 1967. "Er hatte einen leichten Unfallschaden, sollte noch 50 D-Mark kosten." Weil er dem Reifenhändler die alten Pneus abnahm, mit denen das betagte Gefährt bis unters Dach voll gestopft war, bekam ihn der junge Mann schließlich geschenkt.

Der Zimmermann aus dem vogtländischen Dörfchen Krebes machte sich ans Werk. Er verstärkte die Achsen, fertigte verwindungssteife Kastenprofile für die Querlenker, setzte stabilere Federn ein. Den 26-PS-Motor ließ er nahezu unverändert. Dann lud er Ersatzteile, Werkzeug, Reißbrett, Lebensmittel und persönliche Habseligkeiten ein und fuhr los. 1 200 Kilogramm hatte die Fuhre, das Doppelte des Leergewichts. Schon während der sechsmonatigen Vorbereitungszeit avancierte er im Vogtland zur Berühmtheit, wurde in seinem zebra-gestreiften Untersatz mit dem Kennzeichen V-EB 70 bekannt als "Trabi-Uli".

"Ich wollte beweisen, dass der Trabant gut ist", sagt Kummer. Und siehe, er war sehr gut. In 80 Tagen rollte er 21 000 Kilometer südwärts, durch 18 Staaten: Nach dem Start in Deutschland und der Fährpassage von Italien über Tunesien und Libyen nach Ägypten. Dort brannte die Sonne bei 45 Grad im Schatten. Der luftgekühlte Zweitakter lief und lief. Mit dem Schiff setzte Trabi-Uli nach Saudi-Arabien über. Weiter nach Eritrea, Äthiopien, Kenia, Uganda, Ruanda und Tansania. Hier war der erste Satz Reifen hinüber. Von Tansania über Malawi ging es nach Sambia. In Simbabwe brachen die hinteren Blattfedern. Kummer holte sich Ersatz aus einem schrottreifen Oldtimer, schnitt die Federn passend und schweißte sie ein. "Deswegen habe ich mir einen alten Trabant ausgesucht", sagt er. "Neuere Baujahre haben Schraubenfedern. Da hätte ich erst Ersatz besorgen müssen." Zwei Mal quittierte die Kupplung ihren Dienst. Kummer reparierte eigenhändig. Der Weltenbummler mutete sich selbst ähnlich viel zu wie seinem Gefährt: Die Nächte verbrachte er in seiner "Pappe". Die baute er jeden Abend in einer Viertelstunde zur Schlafstatt um. Bedroht, überfallen oder beklaut wurde er nie: "Die Leute waren immer freundlich. Ich hatte einen Schutzengel." Mosambik und Swasiland waren die letzten Stationen auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung. "Es war ein erhebendes Gefühl, die Grenze zu Südafrika zu überqueren", erinnert sich der heute 33-Jährige. "Für mich war es eine Rückkehr."

Denn Kapstadt war ihm nicht nur Ziel einer einmaligen Reise, sondern auch zweite Heimat: 1993 hatte der Pfarrerssohn in den Armenvierteln Lavender Hill und Vryground seinen Zivildienst abgeleistet, ein Jahr später die Machtübernahme des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) mit Nelson Mandela erlebt. Die Menschen in ihren Wellblech-Hütten hat Kummer nie vergessen. Von 1997 bis 1998 arbeitete er ohne Vertrag, von Ende 1999 bis Ende 2002 als angestellter Entwicklungshelfer für die "New World Foundation". In deren Auftrag lernte er junge Schwarze in der Schlosserei und einer Holzwerkstatt an. Er war, so sagt er heute, "Bauleiter, So zialarbeiter, Seelsorger und Lehrer in einer Person". Dieses Leben hat ihn tief geprägt.

Seit etwa einem Jahr wartet Ulrich Kummer auf die nächste Chance, erneut gen Süden aufzubrechen. Den Job als Kraftfahrer hat er vor einigen Wochen gekündigt. Zum Schluss malochte er in einer 65-Stunden-Woche und kam nicht mehr zum Luftholen. Wann er nach Kapstadt zurückkehren wird, steht noch in den Sternen. "Ich hoffe, schon bald. Es kann sich aber auch noch ein Jahr hinziehen", sagt Kummer, der zurzeit in Plauen lebt. Sein Problem ist die Arbeitsstelle: Er will sich nicht von einer Entwicklungshilfe-Organisation irgendwohin ins Land schicken lassen. Lavender Hill und Vryground, dort möchte er wieder hin.

Der Trabant, der Ulrich Kummer vor knapp sieben Jahren auf seiner 80-tägigen Reise nach Südafrika begleitete, kam – wie konnte es anders sein – ins Museum. Seit knapp einem Jahr steht er in der "KraftfahrZeugen Ostmobil" in der Markthalle in Dresden-Neustadt, inmitten der Erzeugnisse ostdeutscher Automobilbaukunst wie Horch, DKW, Wanderer. Der schwarz-weiße Kombi sei der Star der Ausstellung, schwärmt Mit-Organisator Peter Hipke. Ulrich Kummer ahnt, warum: "Viele Menschen in der DDR haben ihr Leben lang davon geträumt, in die Welt hinaus zu fahren." Als die Mauer fiel, hätten es nur wenige gewagt. Die es machten, vertrauten aber nicht mehr ihrem Trabi. Der taugte ja höchstens für die Ferientour zum ungarischen Balaton. Dass der P 601 ein Vielfaches dieser Distanz auf eigener Achse übersteht, hat Trabi-Uli bewiesen. "Deshalb ist er für mich eine Lichtgestalt", preist ihn Peter Hipke. Man spürt dem 54-jährigen Dresdner die Begeisterung an: Diese Reise hätte er liebend gern selbst gemacht.
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