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Whims von 1990

Whims von 1990

VEB Verlag Technik Berlin hat 1990 diese 8. Auflage bearbeitet. Die digitale Aufarbeitung ist das 2. Whims-Buch des TTLZ und erfolgte durch die freundliche Leihgabe von WW Trabi aus dem Pappenforum.

06.1. Aufbau und Wirkungsweise

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 63224)

Ihr Trabant ist so gut wie seine Bremsen!

Ein Versagen infolge technischer Mängel innerhalb der Bremsanlage führt mit größter Wahrscheinlichkeit zu kritischen Situationen, meistens sogar zum Unfall. Von der einwandfreien Funktion der Bremsanlage hängt also nicht nur die eigene Sicherheit, sondern auch die anderer Verkehrsteilnehmer ab.
Für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten gelten hier die gleichen Grundsätze, wie sie bereits im Abschnitt 5. zur Lenkung dargelegt wurden: Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein!
Der Trabant besitzt eine hydraulisch betätigte Vierradbremse mit selbsttätiger Backennachstellung und einer Kombination von Duplexbremse vorn und Simplexbremse hinten. Bild 6.1 lässt den prinzipiellen Unterschied .zwischen beiden Bauarten erkennen. Bei der Simplexbremse werden die beiden Bremsbacken durch einen doppelseitig wirkenden Radbremszylinder an die Bremstrommel gedrückt, wogegen bei der Duplexbremse für jeden Bremsbacken ein einseitig wirkender Radbremszylinder vorgesehen Ist. Dadurch erhält man bei der Duplexbremse zwei auflaufende Backen, die eine selbst verstärkende Wirkung besitzen. Mitzunehmendem Belagverschleiß stellen sich die Bremsen mit Hilfe eines Schiebestückes selbsttätig nach, so dass immer das erforderliche Spiel (Spaltmaß - s. Bild 6.19) zwischen Bremsbacke und Bremstrommel vorhanden ist.
Seit 1967 werden Bremsbacken mit aufgeklebten Bremsbelägen serienmäßig eingebaut. Bei normaler Fahrweise beträgt die Grenznutzungsdauer der Bremsbeläge an den Vorderrädern (Duplexbremse) rd. 40 000 km und an den Hinterrädern (Simplexbremse) etwa 100 000 km. Unabhängig davon sollte in größeren Abständen (10 000 bis 15 000 km) die Belagdicke kontrolliert werden. Bei der Betriebsbremse wird die auf das Bremspedal einwirkende Fußkraft über eine Druckstange auf den Kolben des Hauptbremszylinders übertragen. Von hier aus wird der erzeugte Flüssigkeitsdruck (Bremsdruck) über ein .Verteilerstück, Rohrleitungen und Bremsschläuche auf alle Kolben der Radbremszylinder gleichmäßig weitergeleitet. Die erzeugte Kolbenkraft drückt dann die Bremsbacken gegen die Bremstrommel.

Bild 6.1. Radbremsen Duplex-Radbremse (links)
1 Radbremszylinder; 2 Bremsbacken; 3 Seitenlager; 4 Rückzugfeder; 5 autom. Nachstellung; 6 Verbindungsrohr
Simplex-Radbremse (rechts)
1 Radbremszylinder; 2 Bremsbacken; 3 Drucksteg; 4 Handbremsseil; 5 autom. Nachstellung; 6 Rückzugfeder

Bild 6.2. Zweikreis-Hauptbremszylinder (Schnitt)
1 Zweikreis-Hauptbremszylindergehäuse; 2 Anschlussnippel für Bremsflüssigkeitsbehälter; 3 Anschlussstück für Nebenkreis (hinterer Bremskreis); 4 Anschlussstück für Hauptkreis (vorderer Bremskreis); 5 Kolben für Nebenkreis; 6 Kolben für Hauptkreis

Seit April 1980 werden alle Trabant-Typen mit einer Zweikreisbremsanlage ausgerüstet. Dabei ist der Hauptbremszylinder als Tandem-Zylinder ausgelegt (Bild 6.2). Äußerlich ist die Zweikreisbremsanlage an dem Tandem-Hauptbremszylinder und dem darüber getrennt angeordneten, an der vorderen linken Radschale befestigten Nachfüllbehälter für die Bremsflüssigkeit zu erkennen (Bild 6.3).
Die Zweikreisbremsanlage ist in Achse-Achse-Schaltung ausgelegt, wobei der Hauptkreis auf die Vorderachse, der Nebenkreis auf die Hinterachse wirkt (Bild 6.4). Die Zuführung der Bremsflüssigkeit erfolgt über zwei Gummischläuche. Hinsichtlich Bremswirkung, Bremsverzögerung und Betätigungskraft ergeben sich keine Veränderungen, jedoch wird mit der Zweikreisbremsanlage die Verkehrssicherheit des Trabant wesentlich erhöht.

Bild 6.3. Zweikreis-Hauptbremszylinder im eingebauten Zustand
1 Bremsflüssigkeitsbehälter; 2 Bremsleitung für hinteren (Neben-) Bremskreis; 3 Verteilerstutzen mit 2 Anschlüssen für vorderen (Haupt-) Bremskreis
Bild 6.4. Schema der Zweikreisbremsanlage
1 Hauptkreis (Vorderachse); 2 Nebenkreis (Hinterachse); 3 Zweikreis-Hauptbremszylinder
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06.2. Wartungsarbeiten

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 62903)

Regelmäßige Kontrollen und Wartung sind für die einwandfreie Funktion der Bremsanlage besonders wichtig. Außerdem helfen diese Prüfungen beim rechtzeitigen Aufspüren von Mängeln. Für eine regelmäßige Wartung können folgende Kontrollpunkte genannt werden:

  1. Flüssigkeitsstand im Behälter kontrollieren. Der Behälter soll immer bis etwa 1 cm unter dem Rand gefüllt sein. Beim Auffüllen ist nur neue, saubere Bremsflüssigkeit zu Verwenden.
  2. Beim Nachfüllen von Bremsflüssigkeit in den Behälter der Einkreisbremsanlage ist zu beachten, dass das Sieb (wenn noch vorhanden) nicht herausgenommen werden darf. Beim Abschrauben des Plastdeckels ist darauf zu achten, dass sich der Behälter nicht verdreht (festhalten, da es sonst zu Undichtheiten kommt).
  3. Die Entlüftungsbohrung im Behälterdeckel muss frei sein.
  4. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, d. h., sie nimmt Wasser, aber auch Staub und Schmutz auf, und sollte spätestens nach zwei Jahren gewechselt werden.
  5. Druckprobe über das Bremspedal mit voller Fußkraft vornehmen. Dabei darf sich das Pedal nach Erreichen des Druckpunktes nicht weiter durchtreten lassen.
    Zu dieser Druckprobe ist auch der Fahrer vor jeder Fahrt verpflichtet!
  6. Kontrolle der Bremsleitungen und Bremsschläuche auf Beschädigung, Dichtheit und Korrosionserscheinungen. Die Bremsleitungen auf den Dreiecklenkern und die Bremsschläuche haben eine Grenznutzungsdauer von etwa 5 Jahren. Undichtheiten der Bremsleitungen sind oftmals schon an feucht-schwarzen Stellen erkennbar.
    Bei der Beurteilung der Korrosionserscheinungen an den Bremsleitungen ist zwischen normaler Oberflächenkorrosion und fortgeschrittener Korrosion bis zur Narbenbildung zu unterscheiden, die nach gründlichem Säubern aller Bremsleitungen erkennbar ist und ein sofortiges Auswechseln der stark korrodierten Bremsleitung erfordert.
  7. Weitere Kontrollpunkte sind die Bremsbeläge und die Gummistopfen der Radbremszylinder. Als Verschleißgrenzen der geklebten Bremsbeläge gelten folgende Werte: Bremstrommelinnendurchmesser 200,0 mm (Normalzustand), der Belag mit 4,0 mm Dicke darf bis zur Restdicke von 1,0 mm abgefahren werden.
    Bremstrommelinnendurchmesser 201,0 mm (nachgearbeitet), der Belag darf bis zur Restdicke von 1,5 mm abgefahren werden.
    Bremstrommelinnendurchmesser 202,0 mm, der Belag darf bis zur Restdicke von 2,0 mm abgefahren werden.
  8. Handbremse kontrollieren, Handbremshebel muss in der 4. bis 5. Raste fest werden.
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06.3. Störungen an der Bremsanlage

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 62815)

Erscheinungsformen

Einseitige Bremswirkung. Teilweises Blockieren eines Rades ist Anzeichen für verschmutzte oder verölte Bremsbeläge, undichte Radbremszylinder oder beschädigte Wellendichtringe. Ein Weiches, federndes Bremspedal und erst nach mehrmaligem "Pumpen" einsetzende Bremswirkung deuten auf Luft im Bremssystem hin.

Zu großer Pedalleerweg oder zu spätes Einsetzen der Bremswirkung sind auf Bremsbackenverschleiß, Störungen in der automatischen Nachstellung oder Luft im Bremssystem zurückzuführen.

Überhitzung der Bremsen hat ihre Ursache vorwiegend in schleifenden Bremsbelägen, hervorgerufen durch zu stramme Einstellung der Fuß- oder Handbremse, Störungen der automatischen Nachstellung oder blockierte Radbremszylinder. Es ist jedoch auch möglich, daß mit nicht völlig gelöster Handbremse gefahren wurde.

Wenn die Bremsen quietschen, so liegt das größtenteils daran, daß Feuchtigkeit eingedrungen ist. Ein weiteres Merkmal ist dabei das griffige Ansprechen der Bremse auf den ersten Kilometern. Die Quietschgeräusche können durch mehrmaliges kurzes Anbremsen beseitigt werden. Ist dies nicht der Fall, so ist die Ursache im verhärteten Bremsbelag oder in verschmutzten Bremstrommeln zu suchen.

Art der Störung Mögliche Ursache Abhilfe
Einseitige Bremswirkung verschmutzte oder verölte Bremsbeläge . verschmutzte Bremsbacken auswaschen, verölte Bremsbacken sind auszuwechseln. Hierbei ist zu beachten, dass die Bremsbacken auf beiden Seiten einer Achse zu erneuern sind.
- undichter Radbremszylinder Ringmanschette des Radbremszylinders auswechseln
Kolben im Radbremszylinder sitzt fest Radbremszylinder auswechseln
defekter Wellendichtring der Radlagerung Wellendichtring D 48 x 62 x 8 erneuern
unrunde, korrodierte oder verriefte Bremstrommel Bremstrommel ausdrehen bzw. neue Bremstrommel einbauen, auf Belagverschleiß achten (s. Abschnitt 6.2.)
Federndes Bremspedal, nachlassende bis schlechte Bremswirkung Luft im Bremssystem Radbremsen entlüften
defekte Nachstelleinrichtung Nachstellung säubern und gangbar machen
Bremsbeläge verschlissen, verölt oder verschmutzt Bremsbeläge erneuern bzw. säubern
Überhitzung der Bremsen schleifende Bremsbeläge Fuß- oder Handbremse einstellen Fußbremse - Pedalspiel 3 mm, gemessen an der Bremspedalplatte (s. unter 6.4.1. - Pedalspiel einstellen, Bild 6.6) Die Handbremse soll in der 4N.oder 5. Raste des Zahnsegmentes fest werden. Nachstellung mit der Nachstellmutter unter der Bodengruppe (Bild 6.15)
  defekte oder erlahmte Rückzugfedern Rückzugfedern ersetzen
defekte Nachstellung . Bauteile der automatischen Nachstellung erneuern-
Kolben im Radbremszylinder fest Radbremszylinder wechseln
Verlängerter Pedalweg, geringere Bremswirkung ein Bremskreis der Zweikreisbremsanlage ausgefallen Undichtheiten im Bremskreis beseitigen, Bremsleitungen und Radbremszylinder prüfen, wenn erforderlich, erneuern
Bremsbelagverschleiß Bremsbacken erneuern
Nachlassende bis gänzlich ausbleibende Bremswirkung Dampfblasenbildung durch Überhitzung der Bremsanlage bei hoher Bremsenbeanspruchung (längere Talfahrten) regelmäßiges Auswechseln der Bremsflüssigkeit (mind. alle 2 Jahre)
Bremspedal tritt sich bei gleich bleibendem Druck langsam durch, Bremswirkung lässt nach Undichtheit in der Bremsanlage Undichtheit beseitigen, defekte Bremsleitungen, Radbremszylinder oder Bremsschläuche ersetzen
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06.4. Arbeiten an der Bremsanlage

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 62786)
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06.4.1. Hauptbremszylinder aus- und einbauen

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2018-09-30 11:28:42 (2) (Gelesen: 62778)

Werkzeuge:
Kombizange, Kneifzange, mittlerer Schraubendreher, Maulschlüssel SW 10, SW 13 bzw. 14, SW 22; Ringschlüssel SW 10; Steckschlüssel SW 24.

Ausbau:

  1. Motorhaube öffnen.
  2. Flüssigkeitsbehälter für Scheibenwaschanlage aushängen.
  3. Minusleitung an der Batterie abklemmen.
  4. Kabelsteckverbindungen vom Bremslichtschalter abziehen. Bei der Montage ist die Polarität der Steckverbindung zu beachten (Markierung am Schalter bzw. vor dem Abziehen kennzeichnen).
  5. Bremsleitungen vom Verteilerringstutzen und von der Verschlussschraube abschrauben.
  6. Beide Gummischläuche zum Bremsflüssigkeitsbehälter abziehen. Beim Einbau ist darauf zu achten, dass diese Gummischläuche vollständig, d. h. bis zum Stutzen, aufgeschoben werden (nur für Zweikreisbremsanlage zutreffend).
  7. Splint aus dem Bolzen am Gabelkopf herausziehen (am Fußhebelwerk, links neben dem Kupplungspedal - Bild 6.5) und Bolzen aus dem Gabelkopf herausdrücken bzw. mit Dorn herausschlagen (gegenhalten!), komplette Druckstange abnehmen.
  8. Beide Befestigungsmuttern des Hauptbremszylinders an der Stirnwand (im Motorraum) abschrauben (Bild 6.3) und Hauptbremszylinder nach vorn abziehen.

Bild 6.5. Gabelkopf entsplinten

Einbau:
Der Einbau des Zweikreis-Hauptbremszylinders erfolgt in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaues, danach sind Haupt- und Nebenkreis zu entlüften (Abschnitt 6.4.2.). Beim Nachfüllen von Bremsflüssigkeit ist darauf zu achten, dass nur saubere, gefilterte Bremsflüssigkeit verwendet wird, da bereits bei geringsten Verschmutzungen ein Bremskreis ausfallen kann.
Bremspedal einstellen:
Das Bremspedalspiel der Zweikreisbremsanlage beträgt maximal 3 mm, gemessen an der Bremspedalplatte (Bild 6.6). Dieses Spiel ist notwendig, damit der Kolben des Hauptbremszylinders nach erfolgter Betätigung völlig in seine vorgesehene Ausgangsstellung gelangen kann und die Bremsanlage nicht unter Druck steht. Die Einstellung des Pedalspiels erfolgt an der Druckstange im Wageninneren, indem die Kontermutter am Gabelkopf gelöst wird und mit der Einstellmutter die Druckstange zur Spielverkleinerung in Uhrzeigerrichtung (vom Fahrersitz aus gesehen), zur Spielvergrößerung entgegen der Uhrzeigerrichtung verdreht wird. Nach erfolgter Pedalspieleinstellung ist die Kontermutter am Gabelkopf wieder fest anzuziehen.

Beachte:
Beim Aufbau von Ersatzteil-Karosserien muss beim Einbau der Zweikreisbremsanlage auf jeden Fall ein neues, geändertes Fußhebelwerk montiert werden.

Bild 6.6. Bremspedalspiel einstellen
1 Druckstange; 2 Einstellmutter; 3 Kontermutter; 4 Pedalrückzugfeder; 5 Befestigungsmutter für HBZ

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  • 2018-09-30 11:28:42
    gute Information der Leerweg, hier "Pedalspiel" war gefragt.

06.4.2. Bremsanlage entlüften

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 61525)

Nach jeder Reparatur an Aggregaten der Bremsanlage und im regelmäßigen Turnus ist die Bremsanlage zu entlüften. Zum Entlüften werden zwei Personen benötigt. Beim Entlüften muss die Luft vollständig aus den Radzylindern entweichen, und es ist dafür zu sorgen, dass während des Entlüftungsvorganges laufend Bremsflüssigkeit in den Behälter nachgefüllt wird.

Werkzeuge und Hilfsmittel:
Ringschlüssel SW 9 und SW 10, Entlüftungsschlauch, sauberes Glas oder durchsichtiger Plastbehälter, Bremsflüssigkeit.

Das Entlüften der Zweikreisbremsanlage muss für jeden Bremskreis getrennt erfolgen. Wie üblich wird dabei an der dem Hauptbremszylinder entferntesten Stelle begonnen:

Im Hauptkreis 1. rechtes Vorderrad
2. linkes Vorderrad
Im Nebenkreis 1. rechtes Hinterrad
2. linkes Hinterrad

Das Entlüften der Einkreisbremsanlage geschieht in folgender Reihenfolge:

  1. rechtes, Hinterrad
  2. linkes Hinterrad
  3. rechtes Vorderrad
  4. linkes Vorderrad
  5. Hauptbremszylinder

Eine Entlüftung des Hauptbremszylinders ist bei der Zweikreisbremsanlage nicht erforderlich.

Die Entlüftung der Bremsanlage ist von zwei Personen vorzunehmen: 1. Person betätigt das Bremspedal, 2. Person entlüftet die Radbremszylinder.

Arbeitsgänge:

  1. Schutzkappe von der Entlüftungsschraube abziehen und Nippel säubern.
  2. Ringschlüssel (hinten SW 9, vorn SW 10) auf die Entlüftungsschraube aufstecken und Entlüftungsschlauch über das Nippel schieben. Das freie Ende des Entlüftungsschlauchs ist in einen etwa zur Hälfte mit Bremsflüssigkeit gefüllten durchsichtigen Behälter zu stecken (Bild 6.7), der beim Entlüftungsvorgang in Höhe - oder besser - über der Entlüftungsschraube zu halten ist.
  3. Entlüftungsschraube um eine halbe Umdrehung lösen und Bremspedal kräftig bis zur Endstellung durchtreten und danach langsam zurücklassen. Dieser Vorgang ist so lange zu wiederholen, bis keine Luftblasen mehr aus dem Entlüftungsschlauch ausströmen.
  4. Bremspedal nochmals voll durchtreten und die Entlüftungsschraube anziehen.
  5. Entlüftungsschlauch abnehmen, Schutzkappe säubern und aufstecken.
    Die Entlüftungsschrauben sind im allgemeinen stark korrodiert und sitzen dadurch sehr fest. Deshalb ist beim Lösen der Entlüftungsschrauben auf vollen Sitz des Ringschlüssels auf dem Sechskant zu achten. Das Lösen gelingt erfahrungsgemäß am besten, wenn man mit der Hand kurz und kräftig gegen den Ringschlüssel schlägt. Vorsicht vor Verletzung!
  6. Alle Radbremszylinder in der angegebenen Reihenfolge entlüften und darauf achten, dass vor jedem Entlüftungsvorgang wieder saubere Bremsflüssigkeit in den Behälter des Hauptbremszylinders nachgefüllt wird.

Lässt sich das Bremspedal nach dem Entlüftungsvorgang immer noch zu weit durchtreten, so ist die Entlüftung zu wiederholen bzw. ist das Bremssystem auf Undichtheiten zu untersuchen.

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06.4.3. Bremsbacken der Hinterräder auswechseln

2006-09-25 19:20:17 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 61500)

Werkzeuge, Hilfsmittel und Ersatzteile:
Gabel-, Ring- oder Steckschlüssel SW 36, Radkreuz, Hammer (400 g und 1000 g), Gummihammer, Kneifzange, Kombizange, Zange zum Aus- und Einhängen der Bremsbacken (Bild 14.26), mittlerer Schraubendreher, Wagenheber, Unterstellböcke, Abzieher für Radnabe (Bild 14.25) , Reifen-Montierhebel bzw. Rundeisen-Dorn
neue Bremsbacken, Sicherungsbleche bzw. Splinte (5 x 45)
Fühllehre (0,3 mm)

Arbeitsgänge:

  1. Plastkappen abziehen und Radmuttern lockern.
  2. Fahrzeug mit Wagenheber anheben und mit Unterstellböcken sichern.
  3. Radmuttern abschrauben und Rad abnehmen.
  4. Achsmutter entsichert! und abschrauben (Sicherungsblech aufbiegen - Bild 6.8 - bzw. Splint ziehen).
  5. Abzieher ansetzen bzw. anschrauben (Bild 6.9), Handbremse lösen.
  6. Radnabe durch Anlegen eines Montierhebels oder Rundeisens an die Radbefestigungsbolzen arretieren (Vorsicht, Gewinde nicht beschädigen!) und die Druckschraube des Abziehers anziehen.
    Löst sich die Radnabe trotz fest angezogenem Abzieher nicht, so kann das an verklemmten Bremsbacken liegen. Hier hilft im allgemeinen wechselseitiges Schlagen mit dem Gummihammer auf die Bremstrommelkante zwischen den Radbefestigungsbolzen. Seit April 1983 wird ein zylindrischer Achsstumpf eingebaut. Bei dieser Ausführung kann das komplette Rad mit Nabe und Bremstrommel abgenommen oder, wenn erforderlich, mit dem Abzieher nach Bild 14.25 abgezogen werden (Bild 6.10, s. auch Abschnitt 8.1.).
  7. Bremsbacken mit Montagezange (Bild 6.18) an der unteren Backenabstützung (Bohrungen) auseinanderdrücken und über die Lagerung herausheben, untere Rückzugfeder aushängen. Ist keine Montagezange vorhanden, so drückt man die Bremsbacken mit einem Schraubendreher aus der unteren Bremsbackenlagerung heraus (Bild 6.11).
  8. Beide Bremsbacken mit den Händen fassen, vom Schiebestück der automatischen Nachstellung abziehen und unten so weit zusammendrücken, bis sie sich aus dem Gummistopfen des Radzylinders herausnehmen lassen, obere Rückzugfeder aushängen (Bild 6.12).
  9. Bremsseil aus dem Hebel der Handbremse aushängen (Bild 6.13) und Bremsbacken abnehmen.
  10. Federklammer von der Rückzugfeder und dem Drucksteg abziehen und Drucksteg abnehmen.

Bild 6.8. Sicherungsblech aufbiegen

 

Bild 6.9. Bremstrommel hinten abziehen

Bild 6.11. Bremsbacken hinten abdrücken

Bild 6.12. Bremsbacken hinten abnehmen

Bild 6.10. Bremstrommel vom zylindr. Achsstumpf abziehen

Der Einbau neuer Bremsbacken erfolgt in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus, wobei vor der Montage auf folgende Punkte besonders zu achten ist:

  1. Bremstrommel auf Verschleiß prüfen (Riefen, Rillen), verschlissene Bremstrommeln müssen ausgedreht (maximales Ausdrehmaß 202,0 mm) oder erneuert werden.
    Für auf 202,0 mm ausgedrehte Bremstrommeln müssen Bremsbacken mit 5 mm Belagdicke verwendet werden.
  2. Vor der Montage der Bremsbacken ist die Nachstellung der Handbremse (Nachstellmutter - Bild 6.15) vollkommen zu lösen.
  3. Die automatische Nachstellung muss leichtgängig sein. Zur Reinigung darf nur Waschbenzin genommen werden, keinesfalls das Schiebestück mit Schmirgelleinen bearbeiten. Vor der Montage ist das Schiebestück leicht mit Ceritol einzufetten.
  4. Werden neue Teile der automatischen Nachstellung eingebaut, so ist zu beachten, dass die Bolzenlänge des Schiebestückes für die hintere und vordere Nachstellung unterschiedlich ist (Bild 6.14).
  5. Vor dem Einbau der Bremsbacken sind die Schiebestücke auf beiden Seiten bis zum Anschlag (in Richtung Achsmitte) durch Anheben der Klemmfeder zurückzustellen. Es ist darauf zu achten, dass sich diese Stellung beim Montieren der Bremsbacken nicht verstellt, da sich sonst die Bremstrommel nicht oder nur sehr schwer (klemmend) aufschieben lässt und demzufolge kein Spiel vorhanden ist.
  6. Vor der Montage neuer Bremsbacken ist das Langloch im Steg der Bremsbacken im Bedarfsfall zur Gewährleistung des Spaltmaßes (Bild 6.19) bis auf 7,8 ± 0,05 mm nachzuarbeiten. Nach der Montage der Bremsbacken ist das Spaltmaß zu kontrollieren.
  7. Rückzugfeder vor Montage unter die- Bremsbacken einhängen.
  8. Auf richtige Einbaulage des Drucksteges für die Handbremsbetätigung achten.
  9. Zur Sicherung der Achsmuttern sind nur neue Sicherungsbleche bzw. Splinte zu verwenden.
  10. Nach abgeschlossener Montage sind die Fuß- und Handbremse mehrmals zu betätigen, dadurch werden die Bremsbacken zentriert und evtl. nach der Montage festgestellte schleifende Geräusche beseitigt, das Rad muss sich dann frei drehen, um ein Heißlaufen der Bremsen zu vermeiden.
  11. Handbremse mit der Nachstellmutter (Bild 6.15) einstellen, bis Handbremshebel in der 4. bis 5. Raste fest wird.
Bild 6.13. Handbremsseil aus dem Bremshebel aushängen Bild 6.14. Automatische Nachstellung
1 Führungsstück; 2 Klemmfeder; 3 Druckfeder; 4 Schiebestück

Bild 6.15. Handbremse einstellen

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06.4.4. Radbremszylinder der Simplexbremse ausbauen, instand setzen und einbauen

2006-09-25 20:09:55 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 61440)

Werkzeuge und Hilfsmittel:
Wie im Abschnitt 6.4.3.- zusätzlich Ringschlüssel SW 9 und SW 10, Dorn, Ringmanschetten, ggf. neuen Radbremszylinder.

Radbremszylinder ausbauen

  1. Radmuttern lockern, Fahrzeug hochbocken, Räder abschrauben, Radnabe abziehen, Bremsbacken abnehmen (wie Arbeitsgänge 1 bis 8 im Abschnitt 6.4.3.).
  2. Bremsleitung vom Radzylinder abschrauben.
  3. Befestigungsschraube herausschrauben und Radbremszylinder abnehmen.

Radbremszylinder instand setzen

  1. Gummistopfen (Pos. 7 im Bild 6.17) herausnehmen und beide Kolben (Pos. 2 im Bild 6.17) mit Dorn nach einer Seite herausdrücken.
  2. Entlüftungsschraube herausdrehen.
  3. Radbremszylinder gründlich reinigen. Zum Reinigen der Kolben mit Dichtmanschetten darf nur Bremsflüssigkeit, Spiritus oder eine Rizinusöl-Spiritus-Mischung im Verhältnis 1 : 10 verwendet werden.
  4. Beschädigte Dichtmanschetten auswechseln. Neue Dichtmanschetten mit Rizinusöl aufziehen, dabei ist .auf richtige Einbaulage zu achten - Dichtlippen müssen in Richtung zum konischen Kolbenende zeigen (Pos. 3 im Bild 6.17).
  5. Komplettierte Kolben mit Rizinusöl - konische Kolbenenden nach innen - einsetzen. Entlüftungsschraube einschrauben und Gummistopfen eindrücken.
    Der weitere Einbau und die Montage der Radbremse erfolgen in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaues.
  6. Radbremse entlüften.
    Beachte:
    Bei undichtem Radbremszylinder genügt im allgemeinen das Auswechseln der Dichtmanschette. Dazu ist zu empfehlen, die Zylinderfläche mit in Öl getränktem Läppapier zu glätten. Verschmierte Bremsbacken sind mit Waschbenzin gründlich abzuwaschen. Nur wenn die Kolben vollkommen fest sitzen, ist ein neuer Radbremszylinder erforderlich!
Bild 6.16. Federteller für Seitenlager abnehmen Bild 6.17. Radbremszylinder hinten (Simplex)
1 Gummistopfen; 2 Kolben; 3 Ringmanschette; 4 Gehäuse
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06.4.5. Bremsbacken der Vorderräder auswechseln

2006-09-25 20:09:55 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 61413)

Werkzeuge und Hilfsmittel wie im Abschnitt 6.4.3.

Arbeitsgänge:

  1. Arbeitsgänge 1 bis 6 nach Abschnitt 6.4.3. ausführen.
    Beachte:
    Seit Mai 1984 werden Kugel-Gleichlaufgelenkwellen eingebaut (s. Abschnitt 7.7.). Bei dieser Gelenkwellenausführung lässt sich der Radmitnehmer nach Abbau des Rades und der Bremstrommel ohne Abzieher abziehen (s. Abschnitt 7.7.3.).
  2. Backenhalterung ausbauen. Dazu wird der Federteller mit der Kombizange eingedrückt und der Bolzen um 1/4Umdrehung gedreht, danach können die Federteller, die Druckfeder und der Bolzen entfernt werden (Bild 6.16).
    Beim Zusammendrücken und Drehen des Federtellers ist der Bolzen von Hand hinter dem Bremsbackenhalteblech gegenzuhalten.
  3. Bremsbacken mit Montagezange (Bild 6.18) oder Schraubendreher aus der Lagerung ausheben. Rückzugfeder aushängen und Bremsbacken abnehmen.
  4. Kolben der Radbremszylinder zurückdrücken (Entlüftungsschraube öffnen).

Beim Einbau der Bremsbacken ist zu beachten:

  1. Rückzugfedern in beiden Bremsbacken einhängen (obere Rückzugfeder innen, untere Rückzugfeder außen).
  2. Automatische Nachstellung bis zum Anschlag zurückstellen, wenn erforderlich vorher säubern, gangbar machen und leicht mit Ceritol einfetten (s. auch Abschnitt 6.4.3.).
  3. Beide Bremsbacken von Hand aus der Schräglage in die Gegenlager der Radbremszylinder einsetzen und über den Bolzen der automatischen Nachstellung drücken, die sich dabei nicht verstellen darf. Die Bremsbacken dürfen nicht wieder zurückkippen. Für diesen und den nachfolgenden Arbeitsgang ist zweckmäßigerweise ein Helfer hinzuzuziehen.
  4. Federteller mit Druckfeder analog dem Ausbau anbringen und dabei auf richtigen Sitz des Bolzens im äußeren Federteller achten (Bolzen durchstecken und um 90° drehen).
  5. Spaltmaß (Bild 6.19) zwischen Bremsbacken und Bolzen der automatischen Nachstellung prüfen.
  6. Alle weiteren Arbeiten sind in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaues vorzunehmen.

Für den Einbau der vorderen Bremsbacken gelten sinngemäß auch die Hinweise wie für die hinteren Bremsbacken im Abschnitt 6.4.3.
Es ist darauf zu achten, dass nur für die vorderen Radbremsen geschlitzte Bremstrommeln verwendet werden dürfen.

Bild 6.18. Aushängen der Bremsbacken mit der Montagezange Bild 6.19. Spaltmaß
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06.4.6. Radbremszylinder der Duplexbremse ausbauen, instand setzen und einbauen

2006-09-25 20:09:55 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 61372)

Werkzeuge und Hilfsmittel wie im Abschnitt 6.4.3., außerdem Innensechskantschlüssel 6 mm.

Arbeitsgänge:

Radbremszylinder ausbauen (Bild 6.20)

  1. Radmuttern lockern, Fahrzeug hochbocken, Räder abschrauben, Radnabe abziehen, Bremsbacken abnehmen (wie Arbeitsgänge 1 bis 8 im Abschnitt 6.4.3.).
  2. Bremsleitung am Radbremszylinder abschrauben.
  3. Verbindungsleitung vom unteren und oberen Radbremszylinder abschrauben.
  4. Beide Befestigungsschrauben mit Innensechskantschlüssel herausschrauben und Radbremszylinder abnehmen.

Bild 6.20. Radbremszylinder vorn (Duplex)
1 Gummistopfen; 2 Kolben; 3 Ringmanschette; 4 Gehäuse

Radbremszylinder instand setzen und einbauen

Die Instandsetzung ist analog den im Abschnitt 6.4.4. beschriebenen Arbeiten und Hinweisen für den hinteren (Simplex-) Radbremszylinder vorzunehmen. Radbremszylinder einbauen.
Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaues.
Radbremse entlüften.
Hinweise speziell für den Einbau der Duplex-Radbremszylinder: Es ist auf waagerechtes Anschrauben der Radbremszylinder zu achten. Es gibt eine rechte und eine linke Ausführung. Die rechten Radbremszylinder sind zur Markierung an der Bremsbackenabstützung angefräst (Bild 6.21). Ältere Ausführungen hatten anstelle der Anfräsung eine Farbpunktmarkierung.

Bild 6.21. Markierung der rechten vorderen Radbremszylinder

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