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Eine Sammlung wichtiger Texte für den Trabantschrauber. Weitere Texte können gerne auch mit Quellenangabe an uns gesendet werden. Nach gründlicher Prüfung erfolgt gegebenenfalls die Veröffentlichung. Für eine Kontaktaufnahme bitten wir die Informationen im Impressum zu nutzen.

Zur Instandsetzung des Trabant-Motors

2007-04-08 14:31:24 Geändert: 2008-09-04 17:44:06 (1) (Gelesen: 6100)
du
und dein
trabant

Zur Instandsetzung des Trabant-Motors



Von Wolfgang Coder, Kundendienstingenieur im VEB Sachsenring

Automobilwerke Zwickau

In den vergangenen Jahren wurde der Trabant-Motor zielstrebig weiterentwickelt. Schwerpunkte dieses Programms waren im besonderen solche Detailfragen, die für den Nutzer des Fahrzeuges von ausschlaggebender Bedeutung sind:

Erhöhung der Leistung,
Verringerung des Kraftstoffverbrauches,
Erhöhung der Grenznutzungsdauer bis zur Grundüberholung,
Beseitigung von Störursachen im normalen Nutzungsbereich,
Erhöhung der Zuverlässigkeit,
Senkung des Ölanteils im Kraftstoff auf 50 : 1

Es kann eingeschätzt werden, dass besonders der Motortyp P65, der seit April 1974 serienmäßig eingebaut wird, alle diese Forderungen erfüllt und einen hohen Gebrauchswert hat Mit Sicherheit lassen sich damit über 60 000 km bis zur ersten Grundüberholung zurücklegen. Besonderes Kennzeichen des Motortyps P 65 ist der nadelgelagerte Kolbenbolzen, der die Umstellung vom Mischungsverhältnis Kraftstoff öl von 33 : 1 auf 50 : 1 ermöglichte. Die Änderung der Kolbenbolzenlagerung von Pleuelbüchse auf Nadellagerung wirkt sich auch sehr günstig auf die Verbesserung der Standzeit des gesamten Kurbelbetriebes und damit des Motors aus.

Reparaturen am Kurbelbetrieb

Das Bestreben der Werke VEB Barkas und VEB Sachsenring geht nun dahin, die auszuliefernden Ersatzkurbelwellen für alle Motortypen der Ausführungen 600 cm3 generell auf diese erprobte und bewährte Nadellagerung des Kolbenbolzens umzurüsten. Damit wird in den kommenden Jahren die Möglichkeit geschaffen, bei allen Motortypen 600 cm3 im Falle einer Motorüberholung den letzten Stand der Technik einzubauen, ohne dass sich hierdurch erhebliche Mehrkosten für den Trabant-Fahrer ergeben. Wir sind der Auffassung, dass die Trabant-Fahrer solche Maßnahmen begrüßen.

Bei den Gesprächen zwischen VEB Barkas und VEB Sachsenring ergab sich auch die Frage der Reparatur eines defekten Nadellagers für die Kolbenbolzenlagerung. Die Auswertung der Versuchsergebnisse und der drei Vorserien

mit mehreren tausend Motoren ergab bisher keine Schäden an der Nadellagerung des Kolbenbolzens. Die Grenznutzungsdauer des Kurbelbetriebes bis zur Grundüberholung wird jetzt offensichtlich durch das Verschleißverhalten von Kolben und Zylinder bestimmt. Deshalb wäre es volkswirtschaftlich nicht vertretbar, Nadelkäfige, die beim VEB Barkas in 16 Sortiergruppen vorrätig gehalten werden, auch für die Instandsetzung in allen Vertragswerkstätten bereitzustellen.

Hinzu kommt das Problem, dass bei einem möglichen Schadensfall in der Regel die Bohrung im oberen Pleuelauge beschädigt ist. Unter Werkstattbedingungen kann nicht exakt abgesichert werden, daß ein neu eingebautes Nadellager geräuschfrei läuft, zumal noch zu ermitteln wäre, welche Sortiergröße benötigt wird. In Auswertung aller dieser Erkenntnisse auch bei anderen Fahrzeugtypen, die ein gleiches Konstruktionsprinzip für die Kolbenbolzenlagerung aufweisen, wurde entschieden, Nadelkäfige nicht als Ersatzteil bereitzustellen. Bei Schäden am Nadelkäfig bzw. bei einer Beschädigung des oberen Pleuelauges ist es deshalb erforderlich, die Kurbelwelle komplett zu wechseln.

In diesem Zusammenhang soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Regenerierung von Kurbelwellen mit Nadellagerung für Kolbenbolzen angelaufen ist. Solche Kurbelwellen wurden bereits in relativ großen Stückzahlen über den Fachhandel und die Werkstätten ausgeliefert. Bei Einbau solcher Wellen kann der Motor mit dem Kraftstoff-Öl-Gemisch 50 : 1 gefahren werden.

Neue Kolben und Zylinder?

In diesem Zusammenhang wird es für zweckmäßig erachtet, einige Fragen der Überholung des Trabant-Motores zu klären, die von allgemeiner Bedeutung für alle Typen sind. Die nachstehenden Ausführungen beziehen sich auf alle Motoren der Ausführung 600 cm3. In der Regel zeichnet sich eine notwendige Grundüberholung durch zwei Erscheinungen ab:

1. Infolge des Verschleißes bei Kolben und Zylinder geht die Leistung des Motors stark zurück.

2. Infolge des erhöhten Spieles an Pleuelbüchse, Kolbenbolzen und Kurbelwelle steigen die mechanischen Triebwerksgeräusche stark an.

Tritt eine solche Situation ein, so ist es erforderlich, den Trabantmotor einer Grundüberholung zuzuführen. Im Reparaturhandbuch sind alle erforderlichen Handgriffe beschrieben. Im wesentlichen geht es um den Austausch der Kurbelwelle, des Vergasers und Axiallüfters sowie das Ausschleifen der Zylinder und die Montage neuer Übermaßkolben. Zur Zeit hat sich die Unsitte eingebürgert, dass die vorhandenen Zylinder nicht ausgeschliffen, sondern durch neue Zylinder ersetzt werden. Eine solche Verfahrensweise berücksichtigt nicht die Forderung nach einer kostengünstigen Reparatur. Das Ausschleifen von Zylindern und der Einsatz von Übermaßkolben hat sich im internationalen Maßstab bei der Grundüberholung von Motoren seit Jahrzehnten bewährt.

Für den Trabant-Motor 600 cm3 gelten folgende Schleifstufen:

72,00 mm 0: Originalschliff
72,25 mm 0: 1. Übermaßschliff
72,50 mm 0: 2. Übermaßschliff
72,75 mm 0: 3. Übermaßschliff
73,00 mm 0: 4. Übermaßschliff

Durch das Werk werden die entsprechenden Übermaßkolben zur Verfügung gestellt. Unter Beachtung eines Kolbeneinbauspieles von 0,02 bis 0,03 mm ist eine exakte Grundüberholung gesichert. Die meisten modernen Werkstätten haben entsprechende Ausrüstungen, die das Ausschleifen der Zylinder kurzfristig ermöglichen. Die meisten Vertrags-Werkstätten verfügen auch über nachgeschliffene Zylinder, so dass im Austauschverfahren ebenfalls eine kurzfristige Instandsetzung möglich ist.

Der VEB Sachsenring ist der Auffassung, dass diese Form der Überholung für den Kunden wesentlich kostengünstiger ist und bittet die Trabantfahrer, von dieser Möglichkeit wesentlich stärker Gebrauch zu machen. Es ist nicht notwendig, bei Instandsetzungsarbeiten am Motor generell neue Kolben und Zylinder einzubauen. Wir haben unsere Vertragswerkstätten angewiesen, die Montage von neuen Zylindern mit Originalmaß-Kolben auf ein Minimum zu reduzieren.

Aus: DER DEUTSCHE STRASSENVERKEHR 11/75

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